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Falknerei, Aushorsten und Hybride

Neben den unbestritten positiven Aspekten der Falknerei (z.B. Gesundpflegen sowie Hilfe beim Auswildern verletzter Greifvögel; Mitarbeit bei Wiedereinbürgerungsprojekten) hat sie auch ihre Schattenseiten: Von den zuständigen Behörden werden leider immer noch Ausnahmegenehmigungen zur Entnahme von im Freiland erbrüteten Jungvögeln erteilt (Aushorsten), was die betroffenen Brutpaare z.T. massiv stört und sie für kommende Bruten vergrämen kann. Dabei könnte man den „Bedarf“ an Beizvögeln auch aus Zuchten decken.

Ob nicht domestizierte Tierarten, wie eben Greifvögel, zum Zwecke der eigenen Erbauung überhaupt in Gefangenschaft gehalten werden oder lieber in Freiheit leben sollten, möge jeder für sich selbst entscheiden...

Ein weiteres Problem stellt die kommerzielle Falknerei dar: In diversen Ländern des Vorderen Orients hat die Jagd mit Greifvögeln, vor allem Falken, eine jahrtausendealte Tradition. Der Besitz solcher Vögel gilt nach wie vor als Statussymbol und bleibt zumeist den oberen Schichten der Bevölkerung vorbehalten. Der „Bedarf“ an geeigneten Vögeln, vor allem Wander-, Würg- und Gerfalken, ist sehr hoch und für einige Vögel werden horrende Preise gezahlt. Leider gelten sogenannte „Wildfänge“ oftmals als edler und hochwertiger als gezüchtete Vögel, so dass vor allem in Asien die Bestände der hauptsächlich betroffenen Arten aufgrund illegaler Aushorstung massiv zurückgehen! Nicht umsonst werden viele mitteleuropäische Wanderfalkenbrutplätze die gesamte Brutsaison über Tag und Nacht von Freiwilligen bewacht.

Die weltweit größte Falkenart, der hochnordische Gerfalke, ist wegen seiner Größe und Kraft sehr beliebt. Allerdings hat sich sein Organismus im Laufe der Evolution an seine zirkumpolaren Brutgebiete angepasst und in den trockenen und heißen Wüstengebieten, in denen er für die Scheichs jagen muss, entwickelt er meist sehr schnell lebensgefährliche Atemwegs- und Kreislaufkrankheiten. Dadurch wird der Bedarf an Nachschub noch größer: Ein Teufelskreis!

Leider sind in letzter Zeit sogenannte Hybridfalken, also Mischlinge verschiedener Arten, in den arabischen Abnehmerländern sehr beliebt geworden und werden deshalb u.a. in Deutschland in großem Stil gezüchtet. Durch solche Mischzuchten versucht man, die daraus hervorgehenden Vögel widerstandsfähiger zu machen und ihnen die gewünschten Eigenschaften der Elternarten anzuzüchten. Das sind in der Regel die Größe und Kraft von Ger- und Würg-, sowie die körperliche Robustheit von Wanderfalken.

Entfliegen solche Hybriden dem jeweiligen Falkner, was bei den häufigen Trainingsflügen nicht selten passiert, können sie bei freilebenden Wanderfalken für große Probleme sorgen. Die Hybriden sind in der Regel größer, kräftiger und aggressiver und stören den Brutablauf wilder Wanderfalken: Sie verdrängen oder töten häufig den gleichgeschlechtlichen Paarpartner, um sich mit dem Verbleibenden zu verpaaren. Im schlimmsten Fall gehen aus solch einer Mischbrut Hybriden zweiter Generation hervor. Dadurch sind die betroffenen Wanderfalken nicht nur direkt gefährdet, sondern auch ihr Genpool wird durch Einkreuzen fremder Erbanlagen verfälscht.

Immer wieder erreichen uns Anfragen, welche Falknerei denn empfehlenswert sei und welcher nicht. Das ganze auf eine sachliche Grundlage zu stellen, ist uns leider nicht möglich, eine Art Gütesiegel zu vergeben ebenfalls nicht.

Falknerei: Der Leitfaden für Prüfung und Praxis