Fuss oder Fang

Eines der wichtigsten Körperteile der Greifvögel sind ihre Füße, die auch Fänge genannt werden.

Mit ihnen „greifen“ sie ihre Beutetiere. Da diese sehr vielgestaltig und unterschiedlich groß sind, findet man beim Bau von Greifvogelfängen eine entsprechend große Variationsbreite mit speziellen Anpassungen:

Arten, die große, schwere oder wehrhafte Beutetiere schlagen, wie z.B. Seeadler und Steinadler, besitzen entsprechend kräftige Fänge. Die Spannweite eines geöffneten Steinadlerfangs entspricht in etwa der Spannweite einer mittelgroßen menschlichen Hand!

Auch beim Habicht, der zwar viel kleiner als die genannten Adler ist, aber relativ zu seiner Körpergröße sehr große Beute schlagen kann, sind die Fänge auffallend stark entwickelt.

Bei ihm, wie auch bei seinem kleineren Verwandten, dem Sperber, findet man zudem außergewöhnlich lange Beine. Damit können diese beiden Arten auch noch Beutetiere greifen, die sich schon in vermeintlich sicheres, dichtes Gestrüpp „gerettet“ haben.

Besonders lange Zehen eignen sich gut zum weiten Umfassen der Beute und deuten darauf hin, dass die betreffende Art häufig fliegende Tiere fängt. Habicht und Sperber sowie Wander- und Baumfalke sind Beispiele für solche Flugjäger mit langen Zehen.

Kurze Zehen hingegen sind bei der Jagd auf Reptilien hilfreich. Man findet sie beispielsweise beim Schlangenadler (Englischer Name: Short-toed Eagle = Kurzzehiger Adler) und beim Kurzfangsperber, dem sie auch seinen deutschen Artnamen gaben.

Der Wespenbussard, der in Vielem von anderen Greifvögeln abweicht, besitzt recht kurze und nur wenig gebogene Krallen. Mit ihnen gräbt er die unteridischen Nester von Wespen, seiner Hauptnahrung, aus.

Auch die Geier Südeuropas haben kurze und recht gerade Krallen. Ihre bereits tote Beute muss nicht „gegriffen“ werden und lange, gebogene Krallen wären beim häufigen Aufenthalt auf dem Boden eher hinderlich.

Einer der Gründe dafür, dass der Fischadler verwandtschaftlich in eine eigene Familie (Pandionidae) gestellt wird, ist seine sogenannte Wendezehe: Sie ermöglicht es ihm, seine Fischbeute mit je zwei Zehen von vorn und hinten zu packen (Bei allen anderen Greifvögeln hingegen weisen drei Zehen nach vorn und eine nach hinten). Seine Krallen sind zudem besonders stark gekrümmt und die Innenseite seiner Fänge besitzt eine raue Schuppung. Beides sind spezielle Anpassungen an seine schlüpfrige Fischbeute.

Die Arten aus der vielgestaltigen Familie der Habichtverwandten (Accipitridae), zu der u.a. Adler, Weihen, Habichte, Milane und Bussarde gehören, sind vornehmlich Grifftöter: Sie töten ihre Beute durch kräftiges Zupacken und anschließendes Kneten mit den Fängen. Zu diesem Zweck sind ihre Krallen generell recht lang.

Die Falken (Falconidae) hingegen bezeichnet man als Bisstöter: Ihre eher kurzen Krallen dienen vornehmlich zum Halten der Beute, während ein Biss in die Halswirbelsäule oder den Schädel das Beutetier tötet.


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